The Boat People / Die Bootsflüchtlinge
Kunstprojekt zum Thema „Migration von Afrika nach Europa“
Über die Medien erfahren wir beinahe täglich, wie viele Afrikaner vor den Küsten europäischer Mittelmeer-Anrainerstaaten ihr Leben lassen müssen.
Laut Fortress-Europe-Pressemitteilungen starben seit 1988 entlang oben genannter Strände 8966 Immigranten, davon hat das Mittelmeer 3079 Tote immer noch nicht freigegeben: sie bleiben nach wie vor verschollen.
Mit zumeist viel zu kleinen und teilweise kaum seetüchtigen Booten versuchen die Flüchtlinge unter anderem auch die Kanarischen Inseln zu erreichen. Bisheriges Rekordjahr war 2002 mit 9929 Flüchtlingen; 2005 waren es nach Angaben des spanischen Innenministeriums immerhin noch 4751. Nachdem also im Vergleich zu 2002 ein Rückgang zu verzeichnen war, ist aber für das Jahr 2007 leider wieder mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen zu rechnen.
Viele hauptsächlich junge Afrikaner erhoffen sich durch ihre Flucht nach Europa ein besseres und friedlicheres Leben. Die zurückgebliebenen Familien verkaufen oftmals große Teile ihrer Wertsachen, um so den Migranten die Überfahrt zu ermöglichen, in der Annahme, dass sie in Europa Arbeit finden, um dadurch die Daheimgebliebenen unterstützen zu können. Dass diese Flucht auch mit dem Tod enden kann, wissen viele nicht. Auch die Schwierigkeiten, die die Flüchtlinge in Europa erwarten, sind ihnen kaum oder nur schemenhaft bekannt.
Der Künstler Gerald Steven Pinedo arbeitet seit 2005 an seinem Projekt „The Boat People / Die Bootsflüchtlinge“. Aus diesem Grunde und um sich vor Ort zu informieren verbrachte er längere Zeit im Senegal, in Gambia und auf der kanarischen Insel Teneriffa. Dort durfte er mit Billigung und Unterstützung der Guardia Civil ankommende Flüchtlingsboote betreten und zahlreiche Fotoaufnahmen machen.
Pinedos Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Strapazen die Flüchtlinge auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen. Auf den Fotos sieht man erschöpfte, ausgehungerte, viel zu leicht bekleidete und verängstigte Menschen, die bei ihrer Ankunft völlig orientierungslos wirken und dankbar jede Hilfe annehmen.
Sein Projekt, welches Fotos von gerade ankommenden Flüchtlingen und deren Habseligkeiten zeigt sowie mit ihnen geführte Interviews wiedergibt, ist vor allem als ein Projekt gedacht, das Afrikaner wie Europäer nahe gebracht werden soll, um sie aufzurütteln und ihnen die oftmals grausame Wirklichkeit vor Augen zu führen, damit viele Menschen von ihrer Flucht mit dem Boot abgehalten werden. Denn auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft endet sie leider oft mit einem grausamen Tod auf See ohne Begräbnis und Abschied.
Pinedo, der sich seit Jahren mit dem Thema Sklaverei sowohl in früherer als auch in unserer Zeit ausführlich beschäftigt, sieht viele interessante Parallelen zu den Bootsflüchtlingen von damals und heute. Er setzt sich für die afrikanischen Menschen ein, um zu versuchen, ihnen klarzumachen: Auch in Europa ist das Paradies auf Erden nicht zu finden.
Das Kunstprojekt Pinedos soll vor allem Afrikanern in Afrika und den Europäern eine gemeinsame Basis bieten, um sich diesem Thema mehr und mehr anzunehmen und nach vertretbaren Alternativen zu suchen.
